Vanille, das „Geschenk der Götter“ für Küche und Wohlbefinden

Der Geschmack von Vanille ist nicht nur vielen teuer. Vanille gilt auch als das zweitteuerste Gewürz der Welt – nach Safran. Grund für die hohen Vanillepreise sind der aufwendige Anbau und die zeitintensive Verarbeitung der Pflanzen aus der Familie der Orchideen bei einer gleichzeitig hohen Nachfrage. Denn Vanille wird nicht nur als Gewürz und Aromastoff geschätzt, sondern auch wegen ihrer wohltuenden Wirkung.

Diese war schon dereinst den Totonaken bekannt, einem mittelamerikanischen Indianervolk, das in der Region des heutigen mexikanischen Staates Veracruz am Golf von Mexiko lebte. Die Totonaken, deren Hochkultur um 800 n. Chr. ihren Höhepunkt erreichte, maßen, ebenso wie ihre bekannteren Nachbarn, die Azteken, der Vanilleschote sogar eine magische Wirkung bei. Sie hielten sie deshalb als „Geschenk der Götter“ in Ehren. Von dem berühmtesten Azteken-Herrscher Moctezuma II., bei uns auch als Montezuma bekannt, wird kolportiert, dass er täglich rund fünfzig Tassen mit Vanille gewürzten Kakaos zu sich genommen haben soll. Und dies nicht nur, weil es ihm schmeckte, sondern weil der Vanilleschote damals, Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts, außerordentliche Kraft als universelles Heilmittel und auch als Aphrodisiakum nachgesagt wurde.

 

In europäischen Küchen gelangte die Vanille durch die Spanier

Als ursprüngliche Entdecker müssen jedoch die Totonaken gelten, welche die Azteken und nachfolgend dann auch die Spanier erst mit der Pflanze bekannt machten. Die Totonaken bauten sie schon im vorkolonialen Mexiko zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert an und bis heute wird die Region Papantla im mexikanischen Bundesstaat Veracruz als Ursprung des Vanilleanbaus angesehen. Die dort gewonnene Vanille gilt als die feinste aller Vanille-Arten. Sie wird von Kennern als noch milder, dezenter und süßlicher im Geschmack eingeschätzt als die hochgehandelte Bourbon-Vanille. Letztere mit ihrem hohen Vanillegehalt ist dennoch bei Europäern besonders beliebt. Sie gelangt in größeren Mengen von den Inseln Madagaskar und Reunion – vormals Bourbon – nach Europa. Marktbedeutung haben zudem die mexikanische Vanille und die Vanille aus Tahiti.

In europäischen Küchen gelangte die Vanille durch die Spanier, welche sie aus amerikanischen Kolonien importierten. Als regelrechter Fan des exotischen Gewürzes wurde Ludwig XIV., der französische Sonnenkönig, bekannt. Seine Majestät wollte die Vanille auf der Île Bourbon, dem heutigen La Réunion, ansiedeln und kultivieren. Doch diese Bemühungen scheiterten – zumindest während seiner Regentschaft – an der Empfindlichkeit der Orchideenpflanze.

Heute ist Vanille als Bestandteil vieler Produkte ein etabliertes Gewürz der internationalen Küche. Doch die „Königin der Gewürze“ kann noch viel mehr: In der Industrie wird der Duftstoff der Vanille für Parfüme, Kosmetika und Arzneien verwendet. Darüber hinaus machen ihre beruhigende und zugleich belebende Wirkung die Vanille zu einem wichtigen Bestandteil der Aromatherapie – insbesondere wenn es darum geht, angegriffene Nerven zu besänftigen. Wissenschaftlichen Studien zufolge lösen die im Duft der Vanille enthaltenen Stoffe Stress und innere Unruhe, helfen gegen Ängste, depressive Verstimmungen und Schlafstörungen. Übrigens soll der Duft von Vanille auch Hungergefühlen entgegenwirken. Diese Wirkungen begründen Wissenschaftler damit, dass Vanille die Ausschüttung des sogenannten Glückshormons Serotonin fördere. Ob allerdings die Lust steigernde Wirkung der Vanille als Aphrodisiakum so ausgeprägt ist, wie es die Totonaken annahmen, ist nicht sicher nachgewiesen – aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen. Denn chemisch soll Vanillin, der Hauptaromastoff der Gewürzvanille, dem Sexualbotenstoff Pheromon ähneln.

Auch bei innerer Anwendung wirkt Vanille beruhigend auf einen nervösen oder gereizten Magen. Zudem lassen sich mit dem Gewürz zu würzige, herbe oder bittere Speisen „entschärfen“. Dagegen kann etwas Vanille auf Lebensmitteln, die vom Eigengeschmack her zu wünschen übrig lassen, deren natürliches Aroma hervorheben. Und einige wenige Tropfen Vanille-Extrakt in einem Getränk aufgelöst sorgen schon nach kurzer Zeit für ein deutlich besseres Befinden.

Für all diese positiven Eigenschaften der Vanille hatten die Totonaken zwar noch keinen wissenschaftlichen Nachweis, doch sie wussten, warum sie das Gewürz auch als „Nektar der Götter“ bezeichneten.

Quelle: Almased Wellness

Titelbild: pixabay.com / bigfoot

 

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